Lissabons rollendes Wahrzeichen
Der Eléctrico 28 ist die berühmteste Straßenbahnlinie der Stadt und betrieben vom stadteigenen Verkehrsbetrieb Carris. Auf der Linie verkehren die historischen Remodelado-Wagen (Serie 541–585), 1995/96 aus Holzwagen der 1930er- und 40er-Jahre aufgearbeitet. Mit gut 8 Metern Länge und rund 58 Plätzen – nur 20 davon zum Sitzen – sind die gelben Triebwagen klein und wendig genug, um sich durch enge, steile Gassen zu zwängen, wo moderne Trams längst nicht mehr durchkommen. Die Fahrt ist ein bewegliches Sightseeing zum Preis eines Nahverkehrstickets.
Die Route von Martim Moniz nach Campo de Ourique
Die Linie verbindet Martim Moniz mit Campo de Ourique, wo sie am Friedhof Prazeres endet. Auf rund 30 Haltestellen je Richtung führt sie durch die Höhepunkte der Stadt: hinauf nach Graça, durch Alfama mit der Sé-Kathedrale, weiter über Baixa und Chiado bis nach Estrela mit seiner Basilika. End-to-end dauert die Fahrt etwa 40 bis 45 Minuten, in der Hauptzeit fährt die Tram im Takt von rund 8 bis 12 Minuten.
Wann fahren und wo einsteigen
Tagsüber ist die 28 oft hoffnungslos überfüllt, Schlangen an Martim Moniz inklusive. Deutlich angenehmer fährt sie sich früh morgens oder am späten Abend – die erste Tram startet gegen 5:40 Uhr, die letzte fährt gegen 23:30 Uhr. Wer einen Sitzplatz will, steigt an der Anfangshaltestelle Martim Moniz ein und nimmt die Wartezeit in Kauf; wer flexibel ist, springt unterwegs in Graça oder Estrela zu. Für reine Aussicht muss es nicht die ganze Strecke sein – ein Teilstück durch Alfama reicht für das Erlebnis.
Tickets und Tarife
Tickets gibt es nicht pro Fahrt online vorzubuchen. Beim Fahrer ist die Einzelfahrt mit 3,30 EUR am teuersten. Wer eine wiederaufladbare Navegante-/Viva-Viagem-Karte am Automaten oder Kiosk holt, zahlt nur 1,90 EUR pro Fahrt, mit Zapping-Guthaben sogar 1,72 EUR. Für mehrere Fahrten lohnt das 24h-Ticket (Carris/Metro) für 7,25 EUR; auch die Lisboa Card gilt. Alle Tarife stehen im Detail im Fortbewegung-Guide.
Ehrliche Hinweise
Die 28 ist nicht barrierefrei: hohe Stufen, schmale Türen, kein Platz für Rollstuhl oder Kinderwagen. Als barrierefreie Tramlinie nennt Carris nur die 15E nach Belém. Außerdem gilt die Linie als bekannter Hotspot für Taschendiebe – im Gedränge an beliebten Haltestellen ist Vorsicht angebracht: Wertsachen nah am Körper tragen, Rucksack vorn. Wem es zu voll ist, der weicht auf die ruhigere Linie 12E aus, die als kurze Runde ab Praça da Figueira teils dieselben Gleise nutzt und in rund 21 Minuten an Portas do Sol und der Kathedrale vorbeikommt.