Lissabon liegt auf sieben Hügeln, und genau das prägt die Fortbewegung. Vieles erkundet man am besten zu Fuß, doch für die steilen Anstiege und die längeren Wege zwischen den Vierteln lohnt der gut ausgebaute Nahverkehr. Vier Welten greifen ineinander – eine moderne Metro, ein dichtes Bus- und Tramnetz, die historischen Standseilbahnen und Aufzüge sowie Fähren über den Tejo. Wer das Tarifsystem einmal verstanden hat, kommt günstig und meist staufrei durch die Stadt.
Die navegante-Karte – die Basis fürs günstige Fahren
Fast alles beginnt mit der wiederaufladbaren navegante occasional – der Verkehrskarte, die früher als Viva Viagem oder 7 Colinas lief und auch 2026 umgangssprachlich noch so genannt wird. Die leere Karte kostet einmalig 0,50 Euro und ist nach dem Kauf ein Jahr lang unbegrenzt wieder aufladbar. Du lädst sie an den Automaten in jeder Metrostation, an Bahnhöfen, am Multibanco-Geldautomaten oder über die Carris- und Metro-Apps auf.
Auf die Karte buchst du entweder ein konkretes Ticket oder das flexible Zapping-Guthaben:
- Zapping lädst du mit 3 bis 40 Euro auf, das Guthaben bleibt ein Jahr gültig. Jede Fahrt wird einzeln abgebucht, eine Metrofahrt kostet damit nur 1,72 Euro – die günstigste Variante für Gelegenheitsfahrer.
- Wer keine Karte kaufen will, hält im Metro einfach eine kontaktlose Bankkarte ans Drehkreuz; die Fahrt kostet dann 1,92 Euro, und es kommt nur eine Person pro Karte durch.
Ein wichtiger Spartipp betrifft den Bus – kaufst du das Einzelticket erst beim Fahrer, zahlst du 2,20 Euro statt 1,90 Euro. Vorab auf die navegante-Karte geladen oder per Zapping fährt man also klar günstiger.
Tickets und Preise im Überblick
Das Tarifsystem ist überschaubar, sobald man die Stufen kennt. Diese Preise gelten 2026 für das gemeinsame Carris-/Metro-Netz:
- Einzelfahrt (60 Minuten gültig, inklusive Umstiege): 1,90 Euro, mit Zapping 1,72 Euro im Metro.
- 24-Stunden-Ticket: 7,25 Euro – gültig in allen Bussen, Trams, der Metro sowie in den Aufzügen und Standseilbahnen.
- 24-Stunden-Ticket inklusive Fähren (Transtejo über den Tejo): 10,35 Euro.
- 24-Stunden-Ticket inklusive CP-Züge nach Sintra und Cascais: 11,40 Euro.
Die Faustregel ist einfach – wer pro Tag mehr als etwa vier Fahrten plant, fährt mit dem 24-Stunden-Ticket günstiger als mit Einzelfahrten. Ein eigenes Wochenend- oder Wochenticket als Tarifprodukt gibt es 2026 nicht; längere Pässe sind personalisiert und für einen Kurztrip selten sinnvoll. Tickets bekommst du an den Automaten (TVM) in allen Metrostationen inklusive Flughafen, an Bahnhöfen, über das VIVA-Onlineportal sowie per App – Carris für Bus und Tram, Metropolitano de Lisboa für die Metro oder die Routing-App Moovit.
Wer viel besichtigt, sollte zusätzlich die Lisboa Card prüfen – sie enthält den gesamten Nahverkehr inklusive Metro zum Flughafen und CP-Zügen nach Sintra und Cascais sowie über 50 Eintritte. Mehr dazu im Ratgeber Lisboa Card.
Die Metro – schnell, zuverlässig und staufrei
Die Metro ist das Rückgrat für längere Wege und 2026 mit vier Linien unterwegs:
- Blaue Linie (Linha Azul): Reboleira – Santa Apolónia
- Gelbe Linie (Linha Amarela): Odivelas – Rato
- Grüne Linie (Linha Verde): Telheiras – Cais do Sodré
- Rote Linie (Linha Vermelha): São Sebastião – Aeroporto
Eine fünfte, pink-violette Linie ist geplant, 2026 aber noch nicht in Betrieb. Den Flughafen bedient die rote Linie über die Station Aeroporto; vom Terminal ins Zentrum dauert die Fahrt etwa 20 bis 30 Minuten, werktags fahren die Züge alle 6 bis 10 Minuten. Wie der Vergleich mit Taxi und Bus ausfällt, steht im Ratgeber Vom Flughafen ins Zentrum.
Die Metro fährt täglich von 6.30 bis 1.00 Uhr, an Wochenenden und Feiertagen identisch; die letzten Züge erreichen die Endstationen gegen 1.30 Uhr. Tagsüber kommt zur Hauptverkehrszeit alle 3 bis 6 Minuten ein Zug, sonst alle 6 bis 12 Minuten. Die Regierung kündigte im Mai 2026 zwar eine Machbarkeitsstudie zu längeren Betriebszeiten an, umgesetzt ist diese Verlängerung Stand Juni 2026 aber noch nicht. Auf den Längsachsen ist die Metro fast immer die schnellste und zuverlässigste Wahl – sie steht in keinem Stau.
Was die Metro nicht abdeckt, sind einige der schönsten Hügelviertel – Alfama etwa hat keinen Metro-Anschluss, und auch Belém erreicht man nicht per U-Bahn, sondern mit der Tram 15E oder dem Zug ab Cais do Sodré.
Trams und die berühmte Linha 28
Die gelben Trams sind Verkehrsmittel und Wahrzeichen zugleich. Für Belém nimmt man die moderne, geräumige Tram 15E; das eigentliche Postkartenmotiv aber ist der historische Eléctrico 28, der sich quietschend durch die engen Gassen von Alfama, Graça und Estrela schraubt – dorthin, wo keine Metro fährt.
Die Tram 28 fährt täglich etwa von 5.40 bis 23.30 Uhr im Takt von 10 bis 15 Minuten; werktags startet die erste Bahn ab Martim Moniz gegen 5.40 Uhr, sonn- und feiertags erst gegen 6.45 Uhr. Nach 21.30 Uhr enden manche Fahrten schon in Estrela statt erst in Prazeres. So reizvoll die Strecke ist – sie hat auch ihre Tücken:
- Andrang: Zwischen Juni und September überschreiten die Wartezeiten am Terminal Martim Moniz oft eine Stunde, und die Bahnen sind chronisch überfüllt. Plane die Fahrt früh vor 9 Uhr oder nach 18 Uhr und steige am Endpunkt Prazeres in der Gegenrichtung ein, dann startest du sitzend.
- Taschendiebe: Die Tram 28 hat eine der höchsten Taschendiebstahl-Raten der Stadt, am stärksten zwischen 9 und 18 Uhr, wenn sie am vollsten ist. Trage Rucksack oder Tasche vorne, stecke das Portemonnaie nicht in die Gesäßtasche und sei besonders nahe den Türen aufmerksam.
Standseilbahnen und Aufzüge gegen die Hügel
Gegen die steilen Anstiege hat Lissabon eine eigene Gattung von Verkehrsmitteln – die Ascensores, betrieben von Carris und allesamt kleine Wahrzeichen. Drei Standseilbahnen und ein vertikaler Aufzug überwinden die Höhenmeter, für die man sonst lange Treppen steigen müsste:
- Ascensor da Glória verbindet die Praça dos Restauradores mit dem Bairro Alto und fährt ungefähr ab 7.15 Uhr bis gegen Mitternacht.
- Der Ascensor da Bica klettert durch eine der fotogensten Gassen der Stadt, montags bis samstags 7 bis 21 Uhr, sonntags 9 bis 21 Uhr.
- Ascensor do Lavra ist die älteste und ruhigste der drei Standseilbahnen.
- Der vertikale Elevador de Santa Justa verbindet die Unterstadt Baixa mit dem höher gelegenen Carmo-Platz. Er hat erweiterte Sommer-Öffnungszeiten (etwa März bis Oktober 7 bis 23 Uhr) und kürzere Winterzeiten (etwa November bis Februar 7 bis 21 Uhr).
Der praktische Vorteil – alle vier sind im 24-Stunden-Ticket (7,25 Euro) und in der Lisboa Card enthalten. Wer ein gültiges Tagesticket hat, fährt also ohne Aufpreis; ein einzelnes Ascensor-Ticket an der Bahn ist dagegen vergleichsweise teuer, sodass sich die Aufzüge vor allem mit Tagesticket oder Card rechnen.
Nachts unterwegs und Barrierefreiheit
Wenn die Metro gegen 1 Uhr ihren Betrieb einstellt, ist man nicht automatisch auf Taxi oder Uber angewiesen. Carris betreibt das Nachtbusnetz Rede da Madrugada mit Linien wie 201, 202, 203, 206, 207, 208 und 210, die mehrheitlich ab und bis Cais do Sodré verkehren – grob im Fenster etwa von Mitternacht bis in die frühen Morgenstunden. Das Netz ist dünner getaktet als tagsüber, deckt die wichtigsten Achsen aber ab. Wer flexibel und ohne Wartezeit ans Ziel will, greift in dieser Zeit alternativ zu Taxi, Uber oder Bolt.
Beim Thema Barrierefreiheit hat die Metro in den letzten Jahren deutlich aufgeholt. Nach Abschluss der Arbeiten an Campo Pequeno und Picoas verfügen rund 46 Stationen über Aufzüge und sind barrierefrei – etwa 82 Prozent des Netzes; das Modernisierungsprogramm sieht bis 2026 rund 93 Prozent vor. Im Netz gibt es insgesamt 121 Aufzüge, 234 Rolltreppen und 10 Laufbänder. In den engen, gepflasterten Altstadtgassen von Alfama und Mouraria bleibt das Gelände selbst dagegen anspruchsvoll – hier helfen die Trams und Standseilbahnen mehr als jede Karte.