Mosteiro dos Jerónimos

Beziehungsreich, facettenreich erhebt sich der 180 m lange Bau aus Kalkstein, strahlend im Glanz der Sonne Portugals. Im Stadtteil Belém, (zu deutsch, Bethlehem) erwartet die atemberaubende, filigrane Konstruktion staunende Touristen und Kulturinteressierte. Die Fassade, das Südportal, der große Innenraum der Kirche, vom berühmten Architekten João de Castilho geschaffen, und die Kreuzgänge sind die sehenswerten Kostbarkeiten.

Das Südportal

Zwischen den zwei Türen des 32 m hohen Portals erwartet die Statue Heinrichs des Seefahrers die Neugierigen. Er war im frühen 15. Jahrhundert Förderer der Seefahrt, der Entdeckungsreisen und der Kolonialisierung. Fein ziselierte Ornamente, wie Blumen und Geäst, sowie biblische Szenen schmücken den Bogen über ihm. Maria mit Kind thront darüber und zwischen zwei schlanken, flankierenden Türmchen, die der Kunstkenner gotische Fialen nennt, schaut gelassen der Engel Gabriel von oben herab.

Die Klosterkirche

Zum Inneren der Kirche gelangt der Besucher durch das Westportal. Das 25 m hohe Rippengewölbe wird von 6 schlanken Säulen getragen. Sie sind reich verziert, was den Eindruck der Schwere ihrer tragenden Funktion noch vermindert. Eine statische Meisterleistung, die nicht nur 500 Jahre, sondern auch das schwere Erdbeben in Lissabon im Jahre 1755 unbeschadet überstand. Der Entdecker Vasco da Gamas liegt unter der Empore begraben. Ihm zu Ehren war diese Kirche gebaut worden. Mit seiner Mannschaft soll er just dort die letzte Nacht vor seiner Entdeckungsfahrt nach Indien zugebracht haben, wo heute die Kirche und das Kloster der Hieronymiten steht. Dieser Orden war besonders in Spanien verbreitet und bewohnte das Kloster bis 1834.

Der Kreuzgang

Beeindruckend durch seine Größe und das kunstvolle gotische Kreuzgewölbe, wunderschön durch das Licht, das in den zweistöckigen Gang durch die weiten, offenen Bögen fällt. Vom Innenhof des Klosters lassen sich die herrliche Ornamente, die schlanken Türmchen mit ihrer Kegelhaube, die an Minarette erinnern, Figuren, Porträts oder auch Tiere am besten bestaunen. In diesem großartigem Bauwerk begegnen dem Besucher Stilelemente aus dem Abendland wie aus dem Orient. Ein Stil, der nach dem Bauherren Manuel I, König von Portugal, manuelinischer Stil heißt und gotische Grundlagen mit Renaissance Elementen verbindet. Der Baubeginn wird auf 1502 datiert.

Sehenswürdigkeiten in Klosternähe

Im Westflügel des Klosters lohnt sich ein Besuch des Marinemuseums, bei dem die abenteuerliche Zeit der Entdeckungen anschaulich wird. Wer tiefer eindringen möchte in die Geschichte Portugals, wird im Archäologiemuseum an gleicher Stelle fündig.

Der Stadtteil Belém ist einer der ältesten Lissabons. Der Torre de Belém gehört seit 1983 wie das Kloster zum Weltkulturerbe. Auch der Park vor dem Kloster ist mit Springbrunnen und Blumenbeeten sehenswert. Kulinarisch verwöhnt die berühmte Konditorei Pastéis de Belém mit ihren Vanilletörtchen. Eiersahnecreme auf Blätterteig. Gebacken nach alter Klostertradition und in seinen raffinierten Details mindestens so geheim wie das Rezept für Coca-Cola.

So findet der Besucher in diesem Vorort Lissabons in Stein gemeißelte Zeugnisse der Religion, Kunst und Architektur, einen Hauch von Abenteuer und ein gewisses, unvergesslich süßes Knuspern auf der Zunge.

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