Ponte Vasco da Gama

Zum Stadtbild von Lissabon, der Hauptstadt Portugals, gehört neben einer Vielzahl von historischen Sehenswürdigkeiten mit der Ponte Vasco da Gama auch eine technische Meisterleistung. Die ohne Zufahrtswege 12,3 km lange Brücke überspannt den Tejo, den größten Fluss des Landes, der sich bei Lissabon in ein Delta verbreitert, bevor er in den Atlantischen Ozean mündet. Rechnet man die Zufahrten zur Brücke hinzu, erstreckt sie sich über 17,2 km und gilt damit als eine der längsten Brücken weltweit. Über die Brücke führt die A12 mit insgesamt 6 Fahrspuren zur anderen Seite des Tejo-Deltas.

Lissabon – Entwicklung durch Überbrückung

Die portugiesische Hauptstadt wird an ihrem südlichen Ende durch das mehr als 10 km breite Mündungsdelta des Tejo begrenzt. Einzig mit Fähren oder sonstigen Schiffen war die andere Seite des Deltas zu erreichen. Dadurch waren bis in die 1960-er Jahre die wirtschaftlichen und auch städtebaulichen Entwicklungsmöglichkeiten von Lissabon stark beschränkt. Nur ein Brückenschlag im wahrsten Sinne konnte diese Begrenzung überwinden. So wurde im Jahre 1966 mithilfe einer Brücke eine erste feste Verbindung zum Südende des Deltas geschaffen. Die Ponte 25. de Abril war allerdings schnell überlastet und die jährlich bis zu 44 Millionen Lkw und Pkw mussten durch die Altstadt von Lissabon zur Brücke geleitet werden. Die ab 1995 im Bau befindliche Ponte Vasco da Gama sollte eine Entlastung schaffen.

Moderne Baukunst zu Ehren eines Entdeckers

Im Jahre 1998 fand in Lissabon die Weltausstellung Expo 98 statt und damit genau 500 Jahre, nachdem der portugiesische Seefahrer Vasco da Gama den Seeweg nach Indien entdeckt und dort als Vizekönig gewirkt hatte. So wurde beschlossen, dem Entdecker ein Denkmal zu setzen und die Brücke nach ihm zu benennen. Das Bauwerk wurde als Schrägseilbrücke konstruiert und verbindet die Stadt Lissabon unter anderem mit:

  • dem ehemaligen Expo-Gelände
  • dem internationalen Flughafen
  • verschiedenen Städten südlich von Lissabon (Alcochete, Montijo, Setúba)

Bautechnisch zeichnet sich die Ponte Vasco da Gama neben ihrer Länge vor allem durch ihre 155 Meter hohen Pylonen in H-Form aus, an denen die Streben aus Stahlseilen befestigt sind. Diese Pfeiler würden selbst dann standhalten, wenn sie von einem 12 Knoten schnellen und 30.000 Tonnen schweren Schiff gerammt würden. Der längste Teil der Brücke (etwa 10 km) ruht auf insgesamt 166 Pfeilern, die bis zu 95 Meter tief in den Untergrund getrieben wurden. Zwischen den beiden Hauptpylonen können Schiffe bis zu einer Höhe von 45 Metern (bei Flut) die Brücke passieren.

Naturschutz und Umsiedlungen

Um genügend Raum für den Bau der Brücke zu schaffen, mussten vor Baubeginn insgesamt 300 Familien aus einem im Baugebiet der westlichen Zufahrt gelegenen Armenviertel in andere Bereiche der Stadt umgesiedelt werden. Ein weiterer Aspekt, den es zu berücksichtigen galt, war das Naturschutzgebiet Parque Natural do Estuário do Tejo, das für seinen Bestand an mehr als 250 verschiedenen Zug- und Wasservögeln bekannt war und besondere Anforderungen an die Architekten der Ponte Vasco da Gama stellte. Der Schutz der etwa 14.000 Hektar großen Wattlandschaft hatte beim Bau der Brücke hohe Priorität. Darüber hinaus liegt Lissabon in einer Region, in der Erdbeben vorkommen. Daher wurde die Ponte Vasco da Gama so konstruiert, dass sie auch stärkeren Erdstößen von 8,5 bis 9 auf der Richterskala standhalten kann. Die Ponte Vasco da Gama gilt heute als ein Sinnbild des modernen Portugal.